Bau und Geschichte des Teltowkanals

teltowkanal

Der Teltowkanal wurde zu Beginn des 19.Jahrhunderts als Verbindung der Oder-Wasserstraßen mit der Havel gebaut. Mit seinem Bau wurde auf Betreiben des Ernst von Stubenrauch, der zu dieser Zeit Landrat in Teltow war, im Dezember des Jahres 1900 begonnen. Bei Baubeginn rechneten die Planer noch nicht damit, dass der Kanalbau, für den die Flussbetten der Bäke und der Lanke mit verwendet wurden, mehr als sechs Jahre dauern sollte.
Der Landrat rechnete sich in den Zeiten des industriellen Aufschwungs gute Chancen auf lukrative Industrieansiedlungen in den Randlagen vor Berlin aus. Industrie siedelte sich gerne in der Nähe von Wasserstraßen an. Der Bau des Teltowkanals verkürzte die Fahrzeit für Frachtschiffe zwischen Elbe und Oder, da die Fahrtstrecke sich bei Nutzung des Kanals um 16 km verringerte.

Aus Berliner Sicht brachte der Bau des Teltow-Kanals ebenfalls Vorteile. Der Kanal fungierte als Umgehungs-Schifffahrtsweg und entlastete die Wasserwege der Berliner Innenstadt von der durch die Zunahme von Industrie immer intensivere Nutzung durch Frachtschiffe. Aufgrund der Wartezeiten an Schleusen kam es vor der Inbetriebnahme des Teltowkanals immer wieder zu Staubildung auf den Wasserwegen. In Anbetracht der Notwendigkeit, vielen Industriearbeitern, die mit ihren Familien aus der Provinz in die Stadt Berlin zogen, Unterkünfte zu bieten, mussten viele neue Häuser gebaut werden. Der beste Weg, um Baumaterialien anzufahren, war der Weg über das Wasser.

Der Bau des Teltowkanals schritt zuerst gut voran, stockte dann aber aufgrund von Torfaufkommen im Untergrund. Am 2. Juni 1906 konnte Kaiser Wilhelm II. mit seiner Yacht zur offiziellen Eröffnung als erster durch den Teltowkanal fahren. Für den allgemeinen Schiffsverkehr wurde der Kanal jedoch erst nach weiteren Arbeiten, die noch einmal fast ein Jahr in Anspruch nahmen, geöffnet.

Der Teltowkanal in Tempelhof

Der Teltowkanal in Tempelhof

Die Deutsche Teilung und der Mauerbau in Berlin blieben auch für die Geschichte des Teltowkanals nicht ohne Auswirkungen. Der Kanal, der von Babelsberg und Kohlhasenbrück zwischen Teltow und Berlin-Zehlendorf hindurch nach Lichterfelde, Steglitz und Lankwitz, von dort durch Tempelhof und Neukölln schließlich nach Treptow, Köpenick und Grünau führt, endete in dieser Zeit an der Zonengrenze. Er konnte nicht mehr durchgängig befahren werden. Durch das Installieren von Grenzsperranlagen wurde der Wasserstand im Teltowkanal so beeinflusst, dass Versandung drohte.Seit der Wiedervereinigung ist auch der Teltowkanal wieder vollständig befahrbar.

Der 38,39 km lange Teltowkanal verfügte bei seiner Freigabe für den Schiffsverkehr über 46 Brücken, die Straßen oder Wege über das Wasser führten und 9 von der Eisenbahn genutzte Brücken. Weitere Brücken dienten dem Treidelverkehr, mit dem in der Anfangsphase der Schifffahrt auf dem Teltowkanal die Beförderung erfolgte. Von allen Brücken ist heute nur noch eine in Britz befindliche Brücke im ursprünglichen Zustand vorhanden. Die übrigen Brücken fielen dem Krieg zum Opfer. Im Jahr 1945 wurden sie beim Rückzug der Wehrmacht gesprengt.
Die meisten Brücken sind neu aufgebaut, aber von den Treidelbrücken gibt es nur noch ein Exemplar.