Berühmtheiten, die auf dem St.Matthäus-Friedhof ruhen

St. Matthäus Friedhof in Berlin

Über die Jahrhunderte seines Bestehens war Berlin nicht nur Weltstadt und Mittelpunkt globaler Ereignisse. Vielmehr lockte die Stadt auch berühmte Personen, Preisträger und Reformer zu sich, die die Welt veränderten. Einige wenige von ihnen nutzten die kulturelle Vielfalt oder die Möglichkeiten der Forschung, ehe sie fortgingen und woanders lebten. Andere hingegen bleiben ihrem Berlin bis in den Tod hinein treu. Ihre Gräber lassen sich auch heute noch auf den zahlreichen Friedhöfen bewundern. Zu ihnen zählt der St.Matthäus-Friedhof, der ebenfalls mit namhaften Persönlichkeiten aufwartet und somit einen Besuch stets wert ist.

Die Gebrüder Grimm
Besonders populär sind dabei die Sprachwissenschaftler Jakob und Wilhelm Grimm. Das 1859 und 1863 verstorbene Bruderpaar erwarb sich große Verdienste um die deutsche Mundart und lehrte an verschiedenen Universitäten. Der eigentliche und vermutlich unsterbliche Ruhm der beiden begründet sich aber auf ihre Sammlung an Märchen und Sagen, die sie in jungen Jahren zusammentrugen. So zogen sie über die Lande und fragten die Bürger nach besonderen Geschichten. Sie bilden heute den Grundstock von „Grimms Märchen“ – und ihre Väter ruhen auf dem St.Matthäus-Friedhof inmitten der Berliner Metropole.

Rudolf Virchow

Rudolf Ludwig Karl Virchow

Rudolf Ludwig Karl Virchow. Aufnahme um 1902.

Doch Berlin besitzt auch eine lange Historie, die von Forschungen und Entwicklungen auf allen wissenschaftlichen Bereichen kündet. Hervorhebenswert ist dabei die Charité als medizinische Fakultät, an der jahrelang Rudolf Virchow lehrte und arbeitete. Der Entdecker der Leukämie befasste sich mit vielen Aspekten, die für die Gesundheit der Menschen relevant waren. Ein besonderes Augenmerk widmete er dabei den hygienischen Verhältnissen des alltäglichen Lebens, die er als großen Gefahrenherd für Krankheiten und Seuchen beschrieb. Der 1902 verstorbene Arzt ruht somit gleichfalls auf dem St.Matthäus-Friedhof wie sein Wegbegleiter Heinrich Adolf von Bardeleben, mit den ihn eine Brieffreundschaft verband.

Adolf Diesterweg
In Berlin wurde nicht nur gelebt, sondern auch herzhaft gestritten. Der Schulreformer Adolf Diesterweg zählte dabei zu den eifrigsten Teilnehmern. Er wandte sich bereits früh gegen kirchliche und politische Einflüsse auf die Bildung. Das mag aus heutiger Sicht nicht mehr unbedingt verständlich sein, aber zu Lebzeiten des Pädagogen war ein offener Aufstand gegen die Kirche noch mit erheblichen Konsequenzen verbunden – zu ihnen zählte nicht selten die öffentliche Ächtung. Diesterwegs Reformen aber setzten sich durch und prägten das moderne Bildungssystem. Ihr Vater verstarb im Jahre 1866.

Rio Reiser

Grabstätte Rio Reiser

Grabstätte von Rio Reiser

Reformen suchte auch der Sänger Ralph Christian Möbius – besser bekannt als Rio Reiser und somit Bestandteil der Rockband „Ton, Steine, Scherben“. Der Komponist von Hits wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ oder „König von Deutschland“ versuchte mit provokanten Texten eine Änderung im Denken zu bewirken. Er gilt somit als moderner Vorläufer des gegenwärtigen Liberalismus, bei dem jeder sagen und denken kann, was er für richtig hält. Reiser, der sich auch als Solokünstler und Schauspieler betätigte, verstarb 1996 – noch heute gilt er aber als Idol des freiheitlichen Denkens.