Die rote Insel und das Gasometer Schöneberg

gasometer

Eingebettet zwischen Bahngleisen, bildete sich im Südwesten der Berliner Innenstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Viertel im Ortsteil Schöneberg, das die Form eines Dreiecks hatte. Seit der Bezirksreform im Jahr 2001 gehört dieser Bereich zu Tempelhof-Schöneberg, dem siebten Berliner Stadtbezirk. Aufgrund der signifikanten Lage wird dieses Viertel auch Schöneberger Insel, oder noch häufiger Rote Insel genannt. Die farbliche Umschreibung hat ihren Ursprung in der politischen Ausrichtung der einstigen Bevölkerung. Von Beginn der 30er Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs leistete die Bevölkerung der Roten Insel massiven Widerstand gegen die nationalsozialistische Vorherrschaft. Bis in die Gegenwart konnte sich diese Bezeichnung für halten und selbst heute nennt die Linke ihren Sitz an der Feurigstraße „Geschäftsstelle Rote Insel“.

Rote Insel – zwischen Gleisen und historischer Architektur

Rote Insel

Die Königin-Luise-Gedächtniskirche im Kiez „Rote Insel“

Die spitzwinklige Dreiecksform wird im Westen durch die Bahngleise der Wannseebahn, im Osten durch die Anhalter Bahn und im Süden durch die Berliner Ringbahn gebildet, zu denen die Bahnhöfe Yorckstraße, Südkreuz, Schöneberg und die Berliner S-Bahn gehören. Die Rote Insel wird im westlichen Bereich durch den einstigen Ortskern des Stadtteils Schönebergs mit der Hauptstraße und dem Kaiser-Wilhelm-Platz begrenzt, während sich nordöstlich Berlin-Kreuzberg und im Südosten Teile von Tempelhof anschließen. Nicht nur eine optimale Verkehrsanbindung und eine gut ausgebaute Infrastruktur gehören zu diesem geschichtsträchtigen Viertel, sondern auch Denkmale und Gebäude mit besonderer baugeschichtlicher Bedeutung. Die im Jahr 1912 erbaute Königin-Luise-Gedächtniskirche wie auch das Schöneberger Gasometer an der Torgauer Straße sind heute beliebte Anlaufstellen von Besuchern der Stadt.

Industriedenkmal – Landmarke mit besonderem Charakter
Die Rote Insel wird von dem 1910 errichteten und rund 50 Meter hohen Gasometer, als besondere Landmarke überragt. Als Überbleibsel der Berliner Gasversorgung steht das Schöneberger Gaswerk seit dem Jahr 1994 unter Denkmalschutz. Diente das Gasometer nach dem Ende des Ersten Weltkriegs als Werkstätten als Lagergebäude, ging es 1940 in den Besitz der Städtischen Gaswerke über. In den Folgejahren wurde das veraltete Gasometer lediglich bis zu seiner Stilllegung als Behälterstation eingesetzt. Als baugeschichtlich bedeutendes Gaswerk, das seinerzeit zu den größten Gasspeichern Europas gehörte, ist das Gasometer nicht nur von weitem sichtbar, sondern gilt auch heute noch als das Wahrzeichen der Roten Insel.

Gasometer: Mehr als nur ein Baudenkmal
Als Symbol des einstigen Arbeiterwohnquartiers wurde das Gasometer für rund vier Millionen Euro grundlegend saniert, um es als Wahrzeichen von Schöneberg zu erhalten und neue Aufgaben zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stand bei der Konzeption, in diesem CO2-neutralen Quartier, das erste europaweit, nicht nur Wohnungen, sondern auch Büros für Studierende, Wissenschaftler und Ingenieure einzurichten, die an der Nachhaltigkeit erneuerbarer Energien arbeiten. Bekannt ist das Gasometer im Herzen der Roten Insel auch durch den allsonntäglichen Polittalk mit Günther Jauch, der hier Livesendungen moderiert.

Die Rote Insel und das bekannte Gasometer sind feste Bestandteile des Bezirks und seiner wechselvollen Geschichte. Der Wandel vom Arbeiterquartier zum Bezirk, der mit einem Mix aus Kiez und Einzelhandel überzeugt, hat den eigentümlichen Charme von Tempelhof-Schöneberg nicht beeinträchtigt.