Eine kurze Geschichte von Schöneberg

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Vermutlich besiedelten erstmals um das Jahr 1200 deutsche Kolonisten das Schöneberger Gebiet, die wahrscheinlich den Namen ihres früheren Heimatortes auf die neue Siedlung übertrugen. Erstmals erwähnt wurde „villa sconenberch“ im Jahr 1264, als Markgraf Otto III. ein Stück des Schöneberger Landes an ein Spandauer Kloster verschenkte.

 

Alt- und Neu-Schöneberg
Aus Böhmen stammende Weber, die Preußenkönig Friedrich II. angeworben hatte, wurden im Jahr 1750 im neu errichteten Ort „Neu-Schöneberg“ angesiedelt, der unmittelbar an das bestehende Altdorf angrenzte. Über ein Jahrzehnt blieben sich die beiden Dörfer fremd, bis sie im Siebenjährigen Krieg zum Umdenken und zur Nachbarschaftshilfe gezwungen wurden, nachdem Schöneberg 1760 von russischen Truppen niedergebrannt worden war. Zu einer kommunalen Einheit schlossen sich Alt- und Neudorf aber erst 1874 zusammen. Bereits 1861 war ein Teil des Schöneberger Gebietes als „Schöneberger Vorstadt“ mitsamt 5.300 der insgesamt 8.000 Einwohner nach Berlin eingemeindet worden, da sich die expandierende Großstadt allmählich auf Schöneberger Gemeindeland ausgedehnt hatte.

Die Stadt und der Bezirk Schöneberg

Rathaus Schöneberg um 1895

Das alte Rathaus in Schöneberg um 1895

1898 erhielt Schöneberg nach langen Bemühungen die Stadtrechte. Als zweite deutsche Stadt (nach Berlin) erhielt Schöneberg im Jahr 1910 einen U-Bahnanschluss. Ziel des U-Bahnbaues war es auch, das für wohlhabende Bürger geplante Bayerische Viertel verkehrstechnisch besser anzuschließen. 1912 wurde der Stadtpark und 1914 das Schöneberger Rathaus fertiggestellt. Bis 1914 standen auch viele andere öffentliche Einrichtungen zur Verfügung (Verwaltungs- und Schulgebäude, Feuerwachen und das Auguste-Viktoria-Krankenhaus).
Der Vorläufer Groß-Berlins war der 1912 ins Leben gerufene Zweckverband Groß-Berlin, an den die Stadt Schöneberg überregional bedeutsame Aufgaben (z. B. Bebauungs- und Verkehrsfragen) abtreten musste. Ab 1920 gehörte Schöneberg gemeinsam mit Friedenau als Verwaltungsbezirk Schöneberg zu Groß-Berlin, der 1990 mit Tempelhof zu einem neuen Bezirk Tempelhof-Schöneberg vereinigt wurde.

Aus der Geschichte Schönebergs seit dem Zweiten Weltkrieg
Starke Zerstörungen erlitten im Zweiten Weltkrieg vor allem die nördlichen und westlichen Bereiche Schönebergs, das ungefähr 30 % seiner Wohnungen verlor. Berühmt-berüchtigt ist die Rede von Joseph Goebbels, die dieser 1943 auf Schöneberger Gebiet im Sportpalast hielt.
Zwischen 1945 und 1990 war Schöneberg Bestandteil des Amerikanischen Sektors von Berlin. Das Schöneberger Rathaus war während dieser Zeit Sitz des Abgeordnetenhauses und des Senats West-Berlins. 1963 hielt US-Präsident John F. Kennedy vom Schöneberger Rathaus aus die berühmte Rede, die seinen Ausruf „Ich bin ein Berliner“ enthielt. Noch im Jahr 1963 erhielt der Platz vor dem Rathaus seinen Namen. Die Freiheitsglocke im Turm des Rathauses wurde mit Spenden aus den USA finanziert.
Der Rundfunksender RIAS Berlin strahlte seine Programme von Schöneberg aus. Sie bildeten bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 auch eine wichtige Informationsquelle für die ostdeutsche Bevölkerung. Heute hat das Hörfunkprogramm des Deutschlandradios, das vor allem Sendungen zu kulturellen Themen produziert, seinen Sitz in Schöneberg.

Schöneberg erzählt die wechselvolle Geschichte eines zunächst kleinen Dorfes, das zur Stadt aufstieg und schließlich in einem größeren Ganzen aufging, sich aber gleichwohl bis heute eine eigene Identität erhalten hat.