Unterwegs im Bayerischen Viertel in Schöneberg

nollendorfplatz

Der Berliner Bezirk Schöneberg ist bekannt für seine Vielfältigkeit. Das Bayerische Viertel rund um den Bayerischen Platz sticht dabei besonders hervor. Nicht weit vom Trubel des Nollendorfplatzes und dem Geschäftsleben des Kurfürstendamms, herrscht dort überraschende Ruhe und bürgerliche Gediegenheit. Dazu kommt die besondere Architektur der Häuser im Bayerischen Viertel. Die Gegend ist außerdem sehr geschichtsträchtig. Diese einmalige Wohnlage, die alt und jung anspricht, hat entsprechend hohe Mietpreise für die geräumigen Altbauwohnungen.

Ruhig, aber gut zu erreichen

Viktoria Luise Platz

Viktoria Luise Platz im bayerischen Viertel

Große Hauptstraßen sucht man im Bayerischen Viertel vergebens, dafür kleine Straßen oft mit repräsentativen Wohn- und Geschäftshäusern. Besonders viele Rechtsanwaltskanzleien haben sich dort niedergelassen. Wer im Bayerischen Viertel durch die Straßen schlendert, ist erstaunt über die Sauberkeit, für die Berlin ansonsten nicht sehr berühmt ist. Das Viertel, das sich über die Fläche von der Badenschen Straße bis hin zur Hohenstaufenstraße erstreckt, verfügt auch über viele gepflegte Grünanlagen. Der Viktoria-Luise-Platz, direkt am U-Bahn-Eingang der U4, ist nur eine davon. Der Bayerische Platz ist auch an die U7 und Busverbindungen angebunden, so dass er sehr gut auch ohne Auto zu erreichen ist. Zu Fuß lässt sich die Gegend besonders gut erkunden.

Blütezeit vor dem Zweiten Weltkrieg
Vor dem Zweiten Weltkrieg sahen die jetzigen bürgerlichen Gebäudefassaden noch etwas eleganter und aufwendiger aus. Aber man hat sich viel Mühe gegeben, die Häuser nach dem Krieg stilvoll wieder aufzubauen. An die einstigen überwiegend jüdischen Bewohner erinnern heute „Stolpersteine“ (Hinweis- und Gedenktafeln). 1933 hatten ca. 16.000 Juden ihren Wohnsitz im Bayerischen Viertel, darunter viele Künstler und Intellektuelle. Somit ist die Geschichte der Judenverfolgung fest mit den einzelnen Häusern verbunden, an deren Haustüren in der Gegenwart oft Schilder hängen, die auf die damalige Ausgrenzung oder Deportation der ehemaligen Bewohner hinweisen. Auch Albert Einstein war bis zu seiner Ausreise in die USA im Bayerischen Viertel zuhause, und zwar in der Haberlandstraße Nr. 8. Viele berühmte Gäste gingen bei ihm ein und aus. Spaziergänger, die heute an dem gelben Haus vorbeigehen, können eine kleine Ahnung davon bekommen, wie die prächtigen Räume mit dem Turmzimmer damals ausgesehen haben müssen.

Multikulturelle Gegenwart mit Geschäftssinn
Heutzutage ist die Bewohnerschaft im Bayerischen Viertel bunt gemischt, was Nationalität oder Religion angeht. Allerdings müssen sich Mieter, ob privat oder geschäftlich, die anspruchsvolle Lage finanziell leisten können. Die Gegend ist auch zum Einkaufen jenseits des Mainstreams beliebt, fängt sie doch bald hinter dem KaDeWe an. Auch viele gerne besuchte Ärzte, kleine Läden mit ausgesuchtem Angebot und Dienstleistungsanbieter haben im Bayerischen Viertel ihren Sitz. Und ein wenig von dem alten Flair ist in den Straßen immer noch zu spüren.